Evelyne WEISSENBACH: Jugendalter


jugendalter

Mit mir
geht diese junge Frau
Die ich so oft fühle zu sein
Da breitet sie die Arme aus
Und ich schlüpf' ganz in sie hinein

Und spüre
Wie das alte Weib
Das mir so oft im Spiegel zuwinkt
Und hämisch grinst und Zweifel sät
In eigener Mutlosigkeit versinkt

Die Jugend
streichelt mein Gesicht
Und reicht mir liebevoll die Hand
Sagt
Komm heraus
Fürchte dich nicht
Weil ich mich heut' mit dir verband

Du kannst dein Alter in mir leben
Ich will dir ewige Jugend geben
Lache fröhlich und zweifle nicht
Zeige der Welt stolz dein Gesicht

Und alle
die wahre Jugend kennen
Nicht einfach blind
hinter ihr her rennen
Oder sie in ein Zeitkleid binden
Wirst du in deinem Spiegel finden

Versinke nicht in Trostlosigkeit
Versinke lieber im Abendrot
Kämpf' nicht um scheinbare Wirklichkeit
Nur so
besiegst du der Liebe Tod

Küsse den Fuß des Regenbogens
Steige seidene Leitern hinan
Tanz' auf dem Hochseil deines Lebens
Schwebe in einem Wolkenkahn

Schaukle in silbernen Mondsicheln
Fliege auf Teppichen aus Fantasie
Bade im Tau jedes neuen Morgens
Dann wirst ein altes Weib du nie

Denn so begleite ich dich auf ewig
Auch Jugend ist Unendlichkeit
Das Weib in mir lächelt beseligt
In seiner alten Jugendlichkeit

© Evelyne Weissenbach


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Kommentare

  1. Traveller sagt am Mar 13, 2007 @ 06:51 AM: Jugend und Alter versöhnt. Oder besser: versöhnt mit dem Alter. Älter werden heißt nicht, dass man alles aufgeben muss, dass man nicht mehr träumen darf.

    Und ich muss gestehen, ich habe Menschen kennengelernt, die waren - ihren Gedanken, ihren Verhaltensweisen nach - uralt und das schon mit dreißig. Sie hatten verlernt zu träumen, Kind zu sein.

    Lieben Gruß
    Uta

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